„Das hier ist eigentlich ein Fulltime-Job“

INTERVIEW WERNER TELLERS mit MARIO EMONDS von der Rheinischen Post

Beecks Macher Werner Tellers denkt über einschneidende strukturelle Änderungen im Gesamtverein nach – gerade im Jugendbereich.  

FUSSBALL Seit dem Tod von Günter Stroinski am 29. Februar 2020 ist Werner Tellers, erfolgreicher Unternehmer aus Waldfeucht-Haaren, der alleinige Hauptsponsor von Regionalliga-Aufsteiger FC Wegberg-Beeck. Im Gespräch mit der RP blickt er auch auf das vergangene halbe Jahr zurück. Vor allem aber äußert er sich zu seinen Plänen.

Vor einem halben Jahr prägten Sie diesen Satz: „Entweder ich schaffe den FC Wegberg-Beeck – oder der FC Wegberg-Beeck schafft mich.“ Wie lautet da das aktuelle Zwischenergebnis?

Tellers Zur Zeit noch unentschieden. Durch Corona sind auch wir ausgebremst worden. Von daher möchte ich das noch nicht beurteilen. Ich gebe aber zu, dass ich mir die Aufgabe etwas leichter vorgestellt habe. Ein bis zwei Projekte kann ich aber schon mal als vollendet bezeichnen: Unser Gastronomie-Konzept für „Günters Sportsbar“ in unserem neuen Stadionzelt steht. Mit Heinz-Willi Maydt, dem früheren Schlagbaum-Wirt, haben wir seit dem 1. November dafür auch einen festangestellten Wirt. Hein Hausen ist seine Vertretung. Der Bereich Social Media wird von Stefan Frühling, Max Warneke, Romolus Timar und Michael Schnieders überragend gemacht. Damit sind wir eigentlich auch fast fertig.

Bis jetzt konnte die Gastro aber nicht aktiv werden – die Regionalliga-Spiele finden ja ohne Zuschauer statt. Folglich ist auch das Zelt noch geschlossen.

Tellers Ja, das tut uns auch sehr weh. Wenn ich da zum Beispiel an Freitagabend, 4. Dezember, denke, als wir gegen Lotte gespielt und 2:0 gewonnen haben: Da wäre das Zelt im Anschluss garantiert noch bis 3 Uhr proppevoll gewesen – mit dem entsprechenden Umsatz.

Wie hoch ist denn der Einnahmeverlust ohne Zuschauer?

Tellers Da es sportlich sehr gut läuft, hätten wir sicherlich mindestens 600 Zuschauer pro Heimspiel – das ist wirklich nicht übertrieben. Ziehen wir die Kosten für Ordnungs- und Sicherheitsdienst ab, die wir ja sparen, bleibt ein geschätzter Verlust von 8000 bis 10.000 Euro pro Spiel. Rund 100.000 Euro sind uns also schon durch die Lappen gegangen.

Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind da die gerade mal 4000 Euro, die der FC Wegberg-Beeck bislang aus dem 15-Millionen-Euro-Hilfspaket des Landes NRW für Viertligisten erhalten hat…

Tellers Ja, da muss dringend nachgebessert werden. Es kann nicht sein, dass da als Berechnungsgrundlage bei uns Einnahmen aus der Mittelrheinliga zugrunde gelegt worden sind. Aufsteiger müssen da anders bewertet werden – zumindest mit dem Faktor zwei. Losgelöst davon kann ich eines aber jetzt schon klipp und klar sagen: Eine zweite Regionalliga-Saison unter den aktuellen Bedingungen könnten wir nicht spielen.

Dabei sind die Chancen auf den Klassenerhalt – ganz anders als bei den ersten beiden Anläufen – durchaus als passabel zu bezeichnen. Zur Winterpause steht der FC jedenfalls über dem berühmten Strich.

Tellers Allerdings. Die Truppe auf dem Platz funktioniert. Als richtig erwiesen hat sich zudem die Marschroute, das individuelle Gehaltsgefüge auf eine unter 4-stellige Summe pro Monat zu deckeln. Ein, zwei Unterschiedsspieler haben wir deswegen zwar nicht, aber dafür haben wir eine Mannschaft mit lauter guten Charakteren, die bis zur Schmerzgrenze immer alles geben. Keine Frage, unsere sportliche Leitung mit Friedel Henßen und Michael Burlet hat die Mannschaft sehr gut zusammengestellt.

Losgelöst vom Aushängeschild Erste Mannschaft – was brennt Ihnen unter den Nägeln?

Tellers Wir müssen uns in der Jugend neu aufstellen. Absolute Priorität muss es haben, Spieler für die Erste Mannschaft zu produzieren – und da ist in den vergangenen fünf Jahren, abgesehen von Yannik Leersmacher, nicht wirklich was passiert. Da kann man nicht immer die Augen vor verschließen und sagen, das wird schon noch. Da müssen wir uns hinterfragen, ob der bisherige Weg der richtige ist.

Der personelle und finanzielle Aufwand, den der Verein in der Jugend betreibt, ist enorm.

Tellers Allerdings. Ich habe dabei den Eindruck gewonnen, dass nicht alle Jugendtrainer bei uns immer das Gesamtwohl des Vereins im Blick haben, sondern auch schon mal an ihr eigenes Fortkommen denken und dementsprechend egoistisch denken und handeln. Es geht aber eben nicht vorrangig darum, dass wir in der Jugend sechs Kreispokalsiege holen und sieben Hallenturniere gewinnen, sondern um die Ausbildung von Spielern für die Erste Mannschaft. Wir gewinnen jedenfalls keinen neuen Sponsor, weil die E-Jugend dreimal Kreispokalsieger geworden ist – das geht fast ausschließlich über die Erste Mannschaft. Die ist nun einmal das Aushängeschild.

Welche praktische Konsequenz ziehen Sie aus diesen Schlüssen?

Tellers  Ich bin der Auffassung, dass ein herausragender U17-Spieler, der wirklich das Zeug hat, perspektivisch mal in unserer Ersten zu spielen, auch schon in der U19 spielen und dort gefördert werden sollte. Es bringt nichts, so einen in die U18 zu delegieren, nur damit diese A2 dann größeren eigenen sportlichen Erfolg hat. Darum geht es nicht.

Spielt da auch die Erfahrung von diesem Sommer eine Rolle? Da sollten ja mehrere A-Jugendliche zum Kader der Ersten stoßen und hatten auch schon zugesagt. Letztlich kam aber von dieser Truppe nur Torhüter Jacomo Patza, die anderen wechselten zu irgendwelchen Bezirksligisten. Und Niklas Fensky, das mit Abstand beste Pferd im Beecker Juniorenstall, zog es vor, sein letztes A-Jugendjahr bei Bundesligist Wuppertaler SV zu absolvieren.

Tellers Eine Rolle spielt auch das. Wir bilden nicht nur für unsere benachbarten Vereine aus der Landesliga/Bezirksliga/Kreisliga aus, sondern quasi für den gesamten Kreis. Die profitieren alle von unserer Jugendarbeit. Dafür würde ich mir umgekehrt von denen auch mal ein bisschen mehr Wertschätzung unserer Arbeit wünschen. Alte Grabenkämpfe und Hassparolen gegen unseren Verein sollten da endgültig der Vergangenheit angehören.

Lohnt sich denn der ebenfalls beträchtliche Aufwand bei der Reserve? Fakt ist, dass in den vergangenen 20 Jahren nur ein Einziger über den Umweg Zweite Mannschaft so richtig den Sprung in die Erste Mannschaft geschafft hat. Das ist Norman Post.

Tellers Der ist in der Tat der Einzige, der bei den Senioren zunächst unter Radar gespielt hat. Auch für die Reserve gilt, dass wir uns überlegen müssen, was wir verändern können. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Was Sie sich aber auch überlegen müssen, ist die Erneuerung des in die Jahre gekommenen Kunstrasens. Das wird ja kein billiges Vergnügen.

Tellers Allerdings nicht. 2022, spätestens 2023, werden wir das machen müssen. Etwa 250.000 Euro werden wir dafür in die Hand nehmen müssen. Wo dieses Geld herkommen soll, weiß ich auch noch nicht. Ich würde mir da einfach auch mehr Unterstützung von Stadt und Kreis wünschen. Ich weiß auch, dass von denen nicht viel Geld zu erwarten ist. Was ich mir daher vor allem wünschen würde, wäre eine Art Wissenstransfer – und zwar in der Form, dass Stadt und Kreis uns Türen für Förderprogramme aufmachen. Solche gibt es ja für sehr viele Bereiche – als Laie weiß man das nur nicht. Ich möchte da mal ein Beispiel aus meiner Firma nennen. Da bekam ich mal von einem Fachmann die Info, dass es ein Förderprogramm für neue Lkw-Reifen geben würde. Da wusste ich nichts von – doch es stimmte. Diese Hilfe habe ich dann auch in Anspruch genommen.

Gesamtfazit: Sie haben in Beeck noch eine Menge vor. Schaffen Sie also den FC?

Tellers Noch mal: Dafür ist es noch viel zu früh. Es ist noch ein sehr langer Weg, der auch erst mal in allen Köpfen ankommen muss. Und eigentlich ist das hier ein Fulltime-Job.